Experiment
Skytale
Nachrichten verschlüsseln ... in der Küche?
Hast du dich schon einmal gefragt, wie Menschen früher geheime Nachrichten verschickt haben, bevor es Computer gab? Wenn eine Nachricht so verändert wird, dass sie unlesbar wird, nennt man das Verschlüsselung. Nur wer den passenden geheimen Schlüssel kennt, kann die ursprüngliche Nachricht wiederherstellen. Heute lernst du, wie du mit ganz gewöhnlichen Dingen aus der Küche Nachrichten verschlüsseln kannst und zwar mit einer 2500 Jahre alten Methode!

Mit Wissenschafterin Guillermo Pascual Perez
Alter: 30 Jahre
Forschung: Kryptographie
Motto: "Gegenstände um dich herum können vielseitig genutzt werden!"
Alten Überlieferungen zufolge verschlüsselten die antiken Griechen ihre Nachrichten mit sogenannten Skytalen. Das waren Paare von gleich dicken Holzstäben, um die ein Lederstreifen gewickelt wurde. Schrieb man eine Nachricht auf das gewickelte Leder und wickelte es anschließend wieder ab, gerieten die Buchstaben durcheinander und waren kaum noch zu entziffern. So konnten die Besitzer:innen der Holzstäbe geheime Nachrichten austauschen.
Schauen wir uns an, wie du das mit Gegenständen aus deinem Zuhause nachbauen kannst!
Schon gewusst?
Verschlüsselung gibt es zwar schon seit Tausenden von Jahren, doch erst in den letzten 50 Jahren wird sie auch von der breiten Öffentlichkeit genutzt.
Mit ein paar Alltagsgegenständen aus deiner Küche kannst du selbst ausprobieren, wie diese jahrtausendealte Verschlüsselungsmethode funktioniert. Bastle dir deine eigene Skytale und schicke geheime Botschaften an Freund:innen oder deine Familie!
Du brauchst:
Eine Papprolle, ein Nudelholz oder einen anderen zylindrischen Gegenstand
Ein Blatt Papier, mindestens im A4 Format
Eine Schere
Einen Filzstift oder Kugelschreiber
Klebeband

Schritt 1
Schneide mit der Schere ein paar Papierstreifen zu. Etwa so breit wie dein Daumen und so lang wie möglich.

Schritt 2
Klebe den Anfang eines Streifens an deiner Papprolle, deinem Nudelholz oder einem ähnlichen Gegenstand fest und wickle ihn straff darum.

Schritt 3
Schreib deine Botschaft quer über das aufgewickelte Papier.

Schritt 4
Wickle den Streifen ab und zeig ihn einer Freundin oder einem Freund. Kann sie oder er die Botschaft lesen? Können sie den ersten oder letzten Buchstaben erraten?

Schritt 5
Wickle den Streifen um einen anderen zylindrischen Gegenstand. Lässt sich die Nachricht jetzt lesen? Was hat sich verändert?

Schritt 6
Wickle den Streifen wieder um die ursprüngliche Papprolle oder das Nudelholz. Jetzt wird die Botschaft wieder lesbar!
Markiere die Buchstaben des ersten Wortes deiner Nachricht und wickle den Streifen wieder ab. Erkennst du im entrollten Streifen ein Muster?
Lass jemanden eine neue geheime Nachricht verschlüsseln, vielleicht mit einem anderen zylindrischen Gegenstand, und dir nur den Papierstreifen geben. Kannst du allein mit dem Streifen und dem Muster von oben herausfinden, was die Nachricht ist?
Manche Forscher:innen vermuten, dass diese Methode auch zur Überprüfung der Absender:innen genutzt wurde – also um sicherzugehen, dass eine Nachricht wirklich von einer bestimmten Person stammt. Wie könnte das funktioniert haben?
Antwort
Es ist ziemlich schwierig, mehrere Zylinder mit exakt demselben Durchmesser herzustellen – selbst wenn man den Papierstreifen zur Hand hat. Passt eine empfangene Nachricht perfekt auf den eigenen Zylinder, stammt sie daher höchstwahrscheinlich von der Person, die den passenden Zylinder besitzt. Heute gibt es viele Gegenstände in genormten Größen, wie zum Beispiel Papprollen – vor 2000 Jahren war das aber definitiv nicht der Fall!
Hintergrundwissen
Seit wir gelernt haben zu kommunizieren, versuchen wir auch, das heimlich zu tun. Ob es um Staatsgeheimnisse oder private Gespräche geht. Heute nutzen wir dafür vor allem das Internet und haben unglaublich komplexe Werkzeuge entwickelt, um unsere Kommunikation zu schützen.
Die Forschungsgruppe von Krzysztof Pietrzak am ISTA beschäftigt sich damit, wie sich Unterhaltungen in Messenger-Apps verschlüsseln lassen und zwar so, dass sie privat, aber gleichzeitig schnell und praktisch nutzbar bleiben.